Zum siebzigsten Todestag von Alexander Aljechin

27.03.2016 | Peter Binner | Schach | Schreibe einen Kommentar

Alexander Alexandrowitsch Aljechin  (russisch Александр Александрович Алехин, gelegentlich auch  Алёхин)  geboren am 19.jul./ 31. Oktober 1892greg. in Moskau, Russland;  verstorben am  24. März 1946 in
Estoril, Portugal) war der vierte Schach-Weltmeister.


Emmanuel Lasker                José Raul Capablanca                       A. A. Aljechin

Der jüngste des Dreigestirns Lasker-Capablanca-Aljechin gilt als der begnadete Taktiker gegenüber den eher positionell ausgerichteten Vorgängern und hinterließ eine Reihe von hervorragenden Kombinationen, die Eingang in die Lehrbücher gefunden haben.
                                               
Der „russische Philidor“:                                                            Michail I. Tschigorin (1850-1908)
Alexander D. Petrow (1794-1867)

Aus russischer Sicht bildet Aljechin das Bindeglied zwischen der frühen russischen Schule von Petrov und Tschigorin und der nach dem Zweiten Weltkrieg übermächtigen sowjetischen Schachschule.
Aljechin entstammte dem niederen russischen Adel und erhielt in seiner Kindheit und Jugend eine gründliche schulische und schachliche Bildung.

      
Harry Pilsburry                                        Lasker – Tarrasch, Düsseldorf 1908

Schon als Kind begeisterte er sich für das Schachspiel, erreichte als Zehnjähriger gegen Harry Pilsburry, dem stärksten amerikanischen Spieler dieser Zeit, bei einer Simultanveranstaltung ein Remis und beobachtete als Sechzehnjähriger das Match um den Weltmeistertitel zwischen Laser und  Tarrasch 1908 in Düsseldorf.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Aljechin zum stärksten Spieler Russlands und gehörte zur Weltelite, was sich auch darin äußerte, dass er beim berühmten Turnier Anfang 1914 zu Sankt Petersburg zu den fünf besten Teilnehmern gehörte und ihm von Zar Nikolaj II. der Großmeistertitel verliehen wurde.

Die fünf „Großmeister“ des Petersburger Turniers:
(v.l.n.r.): Lasker (sitzend), Aljechin, Capablanca, Marshall (stehend) und Tarrasch (sitzend)

Im Ersten Weltkrieg diente Aljechin dem Russischen Reich zwar nicht an der Front, wurde in seinem Einsatz in Nachschub und Versorgung  verletzter Kameraden zweimal verwundet, wofür er den St. Georgs- und den St. Stanislaw Orden erhielt. In der darauffolgenden Revolution geriet der Adelige zwischen die Fronten von Roten und Weißen, entging nur knapp der Hinrichtung und dem Typhus und nutzte die Heirat mit der Schweizer Staatsbürgerin  Anneliese Rüegg 1921 zur Emigration in den Westen, wo er 1927 französischer Staatsbürger wurde.
Seinen schachlichen Höhepunkt erreichte Aljechin mit den Siegen im großen Turnier von New York 1927 und dem nachfolgenden Duell um die Weltmeisterkrone mit Capablanca in Buenos Aires, das ihn zur unumstrittenen Nummer eins machte.

Buenos Aires 1927: Aljechin, Schiedsrichter Querencio, Capablanca

Den Weltmeistertitel verlor Aljechin 1935 an den Niederländer 1935 Max Euwe und gewann ihn im Revanchekampf 1937 wieder zurück.

Den Haag 1937: Aljechin – Euwe

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es nicht zum geplanten Zweikampf mit Botwinnik, da Aljechin überraschend 1946 unter ungeklärten Umständen in Portugal starb, was bis heute Stoff für diverse Spekulationen liefert.
Seit 1956 ruhen die sterblichen Überreste Aljechins auf dem Friedhof Montparnasse in Paris, nachdem die sowjetische Führung die Überführung auf den Moskauer Novodevichi Friedhof, wo die sich die Gräber der Familie Aljechin befinden, verweigert hatte.
Aljechins Grab, Cimetière du Montparnasse, Paris

 

 

 

 

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